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Hausaufgaben in der Oberstufe – Vorstellung eines Belohnungssystems

Wie geht man richtig mit Hausaufgaben in der Oberstufe um? Hiermit möchte ich ein Belohnungssystem vorstellen, das ich seit etwas mehr als 2 Wochen benutze. Bisher war es so, dass ich Hausaufgaben aufgegeben habe und diese in der darauffolgenden Stunde vergleichen wollte, um einen Anknüpfungspunkt an das Wissen der letzten Stunde zu erreichen und die Schülerinnen und Schüler zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit dem Stoff zu bringen.

Leider Ist es immer wieder passiert, dass die Mehrheit der Schülerrinnen und Schüler die Hausaufgaben nicht gemacht haben und auch wenig motiviert waren, diese zu vergleichen. Das hat mich gestört und ich wollte diesbezüglich etwas verändern. Ich war mir sehr unsicher, wie ich damit umgehen sollte und habe mir über die Ferien ein Belohnungssystem ausgedacht.

Was sagen die SuS? – Eine Umfrage

Doch zunächst wollte ich die Schülerinnen und Schüler befragen, wie sie über Hausaufgaben nachdenken und ob sie ihnen wichtig sind. Denn ich glaube, dass Schülerinnen und Schüler gefragt werden wollen. So erstellte ich mit Edkimo eine Umfrage, in der ich fragte, ob das Anfertigen von Hausaufgaben ihnen für die Vertiefung der Unterrichtsinhalte hilft, und ob die Hausaufgaben den Schülerinnen und Schülern wichtig sind. Bei der ersten Frage stimmte die Mehrheit der Schüler (78%) dafür, dass die Unterrichtsinhalte mindestens teilweise mit Hausaufgaben vertieft werden. Deutlich wurde auch, dass vielen Schülern Hausaufgaben nur dann wichtig sind, wenn sie dafür eine Belohnung erhalten (50%). Darüber hinaus gibt es auch Schüler, denen Hausaufgaben unwichtig oder egal sind (28%).

Unbenannt

Umfrage zum Thema Hausaufgaben

Neben dem Belohnungs- und Motivationsaspekt wollte ich das Belohnungssystem nutzen, um vor allem denjenigen Schülern, die es bezüglich ihrer Leistung in meinem Kurs schwer haben, das Gefühl zu geben, auch einmal eine hohe Punktzahl erreicht zu haben.

Mein Belohnungssystem und freiwillige Hausaufgaben

Nun aber zu meinen Ideen und dem ausgedachten System. Die Schüler haben die Möglichkeit jede Hausaufgabe abzugeben und von mir kontrollieren zu lassen (Ja, ich weiß, das ist Aufwand für den Lehrer.). Damit können sie beginnen, wann sie möchten. Sie können jede Hausaufgabe abgeben, sie können auch Hausaufgaben auslassen oder einfach dann beginnen, wann es ihnen als wichtig erscheint. Damit ist auch klar, dass Hausaufgaben ab sofort freiwillig sind und nicht mehr im Unterricht verglichen werden. Jeder Schüler darf für sich persönlich bewusst für oder eben gegen die Hausaufgabenerledigung entscheiden.

Bonuspunkte für die Motivation

Mit den Hausaufgaben kann man maximal 25 Punkte erreichen. Nach der Punktetabelle meiner Schule werden dann die gesammelten Punkte in Notenpunkte umgerechnet. Jede Hausaufgabe, in der die Mehrheit der Teilaufgaben korrekt gelöst wurden und in denen ersichtlich ist, dass der Schüler oder die Schülerin sich vertieft mit der Aufgabe beschäftigt hat, erbringt einen Punkt. Darüber hinaus gibt es für jedes Abgeben einer Hausaufgabe einen Bonuspunkt. Letzteres ist aber nur maximal zehn Mal möglich. Angenommen ein Schüler gibt zehn Hausaufgaben nacheinander ab und hat die meisten Aufgaben richtig gelöst, er würde also zehn Punkte bekommen, dann hätte er auf seinem Punktekonto insgesamt 20 Punkte (je einen für die richtige Lösung der Hausaufgabe und einen Bonuspunkt für das Abgeben eben dieser).

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Excel-Tabelle: Belohnungssystem

Danach kann er zwar weitere Hausaufgaben abgeben, aber es gibt keine Bonuspunkte für das alleinige Abgeben mehr. Er müsste sich also die restlichen fünf Punkte über richtige Hausaufgaben holen. Dies hat den Hintergrund, dass ich nicht nur das alleinige Abgeben bewerten möchte, sondern vielmehr auch die Richtigkeit der Lösungen, also die dahinterstehende Schülerleistung.

Jeder Schüler kann selbst entscheiden, wann er seine Punkte in Notenpunkte umgewandelt haben möchte. Das bedeutet, angenommen ein Schüler hätte 19 Punkte erreicht, dann würde ich ihm 11 Notenpunkte eintragen, wenn er keine weiteren Hausaufgaben mehr abgeben möchte. Das heißt dann, dass wirklich jeder Schüler 15 Notenpunkte erreichen kann, vorausgesetzt er gibt richtige Hausaufgaben ab.

Kleines Fazit

In der ersten Woche habe ich sehr viele Hausaufgaben kontrolliert. Das ist schon ein Mehraufwand, jedoch einer, der sich lohnt und gerade den schwächeren Schülerinnen und Schülern hilft es sehr, um den Unterricht nachzubereiten. Aber auch die Motivation einmal 15 Notenpunkte zu erhalten, merkt man ihnen deutlich an. Ich persönlich denke, dass gerade in der Oberstufe jeder Schüler selbst entscheiden sollte, wie er sich auf den Unterricht vorbereitet – also frei darin sein sollte, ob und wenn ja in welchem Umfang er Hausaufgaben erledigt, die den Unterricht nachbereiten.

Ich denke auch, dass Schüler, die den Unterrichtsstoff sehr schnell verstehen, ihre Zeit anders nutzen sollten, als damit, den Unterrichtsstoff nachbereitende Hausaufgaben zu erledigen, die ihnen keinen Zugewinn bringen.

Welche Regelungen habt ihr mit den Hausaufgaben in der Oberstufe? Würde mich sehr über weitere Anregungen und Antworten freuen.

  1. Michael

    Tolles System, scheue etwas den Mehraufwand insbesondere für die Geisteswissenschaften, alleine die Erstellung von Aufgaben inkl. das Erwartungsbild. Die Aufgaben kann ich nirgends abschreiben und ein bloßes “Häkchenmachen” geht bei uns ja nicht:-(

    • Ja, richtig, hier muss man schauen, ob man eventuell Aufgaben findet, die bereits ein Erwartungsbild dabei haben (z. B. in Arbeitsheften etc.) oder man gibt Aufgaben ähnlich einer Stundenzusammenfassung. Wichtig ist ja, die SuS zu irgendeiner Auseinandersetzung mit dem Inhalten zu bewegen.

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