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Latein und Mathematik – Die beiden wunderbarsten Schulfächer des Universums

Allgemein, Mathe, Methoden

Wie ich das Lerntempoduett im Matheunterricht zur Differenzierung nutze

Diese Situation ist wahrscheinlich jedem Lehrer schon einmal begegnet: Man gibt eine Aufgabe und die einen Schüler benötigen mehr Zeit, die anderen Schüler benötigen weniger Zeit. Einige sind sehr schnell fertig, andere müssen sich erst in die Aufgabe hineindenken. Man weiß nicht so richtig, ob man schon vergleichen kann oder nicht. Wenn man sich dann für den Vergleich entschieden hat, steht auch fest, dass einige alle Aufgaben, andere nur die Aufgaben, die sie geschafft haben, vergleichen können. Also wieder einmal ein so undankbares Dilemma. Dieses Problem hatte ich regelmäßig im Unterricht. Die Schüler waren so heterogen in ihrem Lerntempo, dass die einen schon fertig waren, als die anderen gerade erst begonnen hatten. So suchte ich also nach einer Möglichkeit, wie ich diese Unterschiede überwinden konnte. Dabei sollte jeder Schüler nach seinem persönlichen Lerntempo arbeiten können.

Ablauf des Lerntempoduetts

Also habe ich ein wenig recherchiert und bin auf das Lerntempoduett gestoßen, was ich bereits seit über einem Jahr in meinen Matheunterricht besonders in den Klassenstufen 5 und 7 eingebaut habe. Für die Vorbereitung nehme ich meistens Übungsaufgaben aus dem Lehrbuch oder aus dem Arbeitsheft. In der Regel sind es drei verschiedene Aufgaben mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad. Die erste Aufgabe stellt dabei eine leichte Aufgabe zum Einstieg dar. Im Idealfall folgt eine mittelschwere und danach eine schwere Aufgabe. Gegebenenfalls kann eine Zusatzaufgabe vorbereitet werden. Beim Ablauf des Lerntempoduetts gehen die Schüler wie folgt vor: Nachdem die Vorgehensweise dieser Methode besprochen wurde, beginnen sie mit der ersten Übungsaufgabe. Haben sie diese vollständig bearbeitet, stehen sie auf und schauen sich in der Klasse um. Anschließend verständigen sie sich mit einem Schüler oder einer Schülerin, die ebenfalls an ihrem Platz steht, um die gerade erledigte Aufgabe zu vergleichen und gegebenenfalls zu korrigieren. Dazu suchen sich die beiden entweder eine freie Bank oder einen anderen freien Platz, an dem sie die anderen nicht stören. Sie dürfen nun leise mit ihrem Partner ihre Lösungen vergleichen. Danach unterschreiben sie im Heft oder Arbeitsheft ihres Partners, um einerseits nachweisen zu können, mit wem sie verglichen haben und andererseits dem Vergleich mehr Bedeutung und Wichtigkeit beizumessen. Denn schließlich kann erst unterschrieben werden, wenn sich über die Lösungen ausreichend ausgetauscht wurde. Daraufhin gehen sie wieder leise an den eigenen Platz zurück. Nun geht es an die Bearbeitung der zweiten Aufgabe. Für den Vergleich stehen sie wieder auf, schauen sich in der Klasse um und suchen sich einen Partner, der aber nicht der gleiche sein darf, wie der erste Partner. Anschließend wird wieder unterschrieben und es geht zur dritten Aufgabe.

Vorteile des LTD

Der Einsatz eines Lerntempoduetts im Matheunterricht bietet daher viele Vorteile. So darf explizit jeder Schüler nach seinem persönlichen Tempo arbeiten, wobei er weder hetzen muss, noch bummeln darf. Die Abwechslung zwischen Einzelarbeit und Partnerarbeit macht den Schülern viel Spaß. Ebenso werden soziale Kompetenzen gefördert, denn schließlich muss man mit Schülern zusammenarbeiten, die im gleichen Tempo arbeiten und vielleicht nicht zu den engsten Freunden gehören. Bei Klassen mit vielen schüchternen Schülern, kann hier etwas von der Lehrkraft reguliert werden, indem bei der Suche nach einem Partner zum Vergleichen geholfen wird. Darüber hinaus sind die Schüler immer wieder in Bewegung, wenn sie nämlich den Platz zum Vergleichen suchen.

Die Vorbereitung

Zunächst muss man sich überlegen, welche Aufgaben überhaupt infrage kommen. Sie sollten im Schwierigkeitsgrad steigen und mit einer einfachen Aufgabe beginnen. Für die Einführung dieser Methode in der Schulklasse bieten sich die Methodenkarten von Mattes an. Diese habe ich 15-mal laminiert, so dass pro Bank eine Karte liegt. Wissen die Schüler einmal wie die Methode funktioniert, so kann man diese flexibel und schnell einsetzen, um so den Unterricht abwechslungsreicher zu gestalten. Im Unterricht schreibe ich dann die jeweiligen Aufgaben im Lehrbuch oder Arbeitsheft an die Tafel und markiere sie mit den Zahlen 1, 2 und 3, so dass die Schüler jederzeit an die Tafel blicken können, um die nächste Aufgabe aufzuschlagen. Während des Lerntempoduetts halte ich mich dann bewusst im Hintergrund und lasse die Schüler die Aufgaben erledigen. Nur in dringenden Fällen schreite ich ein und gebe die eine oder andere Erklärung. Deshalb sollten die drei Aufgaben auch im Vorhinein besprochen werden, damit die Schüler wissen, wie man die Aufgaben bearbeitet und welche Strategie sich für die Bearbeitung anbietet. Die Zeit, in der die Schüler arbeiten (15-20 Minuten), nutze ich für eine Analyse. Welche Schüler können schon gut mit einem Partner arbeiten? Welche Schüler haben Probleme sich zu konzentrieren? Welche Schüler nehmen Kritik beim Vergleich mit ihrem Partner angemessen an? Und so weiter.

Wenn ich mitbekomme, dass trotz des Vergleichs mit einem Partner, viele Unklarheiten im Raum stehen, vergleiche ich die Aufgaben nach dem Lerntempoduett gemeinsam mit allen Schülern, um den Lernfortschritt zu sichern.

Fazit:

Das Lerntempoduett ist eine Methode, die differenzierten Unterricht ermöglicht und (besonders den jüngeren) Schülern Spaß macht. Aus diesem Grund benutze ich sie gern und regelmäßig. Der Vorbereitungsaufwand hält sich nach erfolgreicher Einführung in einer Klasse in Maßen und der Motivationseffekt bei den Schülern ist umso größer. Daher kann ich das Lerntempoduett jedem Lehrer empfehlen. Probiert es einfach aus und berichtet von euren Erfahrungen!

  1. Michael

    Das muss ich in Geschichte auch mal ausprobieren! Didaktisch sinnvoll!

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